Vor der Imago - die letzte Häutung
Skizzen und Texte sketches and texts

"Wir armen Menschen," sagt Basilius Valentinus (Alchemist um 1600) " werden für unsere Sünden allhier durch den Tod, den wir wohl verdient, in das Irdische, nämlich das Erdreich, eingesalzen, bis so lange wir durch die Zeit putrificirt werden und verfaulen, und dann hinwiederum endlich durch das himmlische Feuer und Wärme auferweckt, clarificirt und erhoben werden zu der himmlischen Sublimation und Erhöhung, da alle Fäces, Sünden und Unreinigkeiten abgesondert bleiben."

 

 

Angelehnt an Beispielen aus der Natur und Ideen aus der Alchemie ist das zentrales Thema die phsyische und metaphysische Wandlung und Weiterentwicklung des Einzelnen sowie eines organischen Systems. Dieses System setzt sich aus mehreren Einzelteilen zusammen die sich aufeinander beziehen.
Jedes Einzelteil ist für sich mit einer bestimmten Form der Wandlung beschäftigt. Auch wenn die Arbeit in keinen Anspruch auf eine korrekte Wiedergabe der alchemistischen Prozesse darstellt, ist sie doch von ihrem Gedankengut beinflußt und bedient sich einiger ihrer Elemente. Hier interessiert mich die Definition von Fortschritt, die der Universalwissenschaft Alchemie zu eigen ist. Entgegen dem Profitgedanken der zeitgenössischen konventionellen Naturwissenschaften ist die Alchemie an der Idee einer geistigen Vollendung interessiert, die mittels Transmutation der Materie zum Ausdruck kommt.

“ Zwischen dem Prinzip des Theaters und dem der Alchemie herrscht eine geheimnisvolle Wesensgleichheit.
Das Theater nämlich ist wie die Alchemie, wenn man es auf ein Prinzip hin und unterirdisch betrachtet, an eine gewisse Zahl von Grundlagen gebunden, die für alle Künste die gleichen sind und im geitigen und imaginären Bereich auf eine Wirklichkeit verweisen, die vergleichbar ist mit jener, die im körperlichen Bereich realiter Gold zu machen erlaubt.”
aus Antonin Artaud, “Das alchemistische Theater”

Szenenskizze: Der Alchemist formt die Homunkuli. Am Ende des Stückes werden sie gesprengt


Skulpturen, Kostüme, Projektionen(Video/Dias) und musikalische Performances sind Mittel diesem Vorgang Ausdruck zu verleihen, der sich simultan mit wanderndem Schwerpunkt an ca 8 –10 unterschiedlichen Schauplätzen auf der Bühne abspielt. Es werden Objekte in den Bühnenraum integriert, die unterschiedliche Arten der Verpuppung und Transmutation darstellen. Oft gehen die Objekte und die Körper der Mitwirkenden symbiotisch/parasitäre Verbindungen ein die die Verhaftung des Menschen in einem Zwischenstadium der Häutung symbolisieren (zB. bei den Körperprothesen, der Kopfprojektionsplatte oder dem Hängeanzug - siehe Skizzen). Die Performance wird 4 Lichtphasen (schwarz, weiss, gelb, rot) durchlaufen.
Diese Phasen werden als grundlegende Arbeitsschritte bei der alchemistischen Erstellung des “Stein der Weisen” beschrieben.

Häutung des Dichters, mit Zuhilfenahme der Scheinwerferenergie (Destillation) Stadium 2. --------- Häutung des Dichters, (Entrollen) Stadium 3.
 
In der Performance steht dieser Arbeitsweg- die Transmutation und “letzte Häutung” - im direkten Zusammenhang mit der seelischen Wandlung des Menschen.
Die Performance ist das Bild der Verwandlung und Neustrukturierung einer ganzen Gesellschaft. Am Ende des Vorgangs steht eine neue Entwicklungsstufe.
Eine fortwährende Ambivalenz und Spannung zwischen Befreiung und Gefangen-sein, die an sich die harte Arbeit für jedes sich weiterentwickelnde Lebewesen darstellt. Ob die Gesellschaft diese erreicht, bleib offen.
 

Teil 1. Schwärzung - Nigredo
Verdunklung, totale Vermummung und Verpuppung,
Sichtbarmachen der Schattenseite
Sound: tiefe Frequenz

 

“Hell und Dunkel sind als duale Gegensätze zu verstehen.
Der Schatten ist das Chaos, das Nigredo, das Unter-bewußtsein.Es muss angenommen werden, nur dann ist eine Voll-endung möglich”.

Helmut Gebelein, Alchemie


Teil 2. Weissung - Reinigung - Leukosis
grelles Licht, totale Helligkeit,
Fokus: Häutung des Dichters
Scheinwerfer Destillation,
Sound: hohe Frequenz

 

 

Teil 3. Gelb - Xanthosis
Fokus: Produktion des Humunkulus aus Salzteig,
Kochen, Sieden, Simmern, Schwefeldampf
Sound: Zischen

 

 

 

 

Teil 4. Rot - Reifung - Iosis
Explosion des Schlagzeughäuschens,
Fokus: sehr aktiver Verdauungskanal,
Vereinigung der Gegensätze
Sound: absoluter Krach

 

Batterie: Vereinigung der Gegensätze in einer Wanne.
Durch einen Draht fließt (sehr gering) Strom, bei Berührung der Hüte wird ein kleines Radio oder eine Lampe in Gang gesetzt.

"...wie kommt man aber nun zur Urbatterie?
In der griech. Mythologie ist Aphrodite (lat. Venus=Kupfer) mit Hephaistos (lat. Vulvan), dem lahmen Schmiedegott verheiratet. Sie hat mit Ares (lat. Mars=Eisen) ein Verhältnis. Hephaistos fängt sie in einem Netz aus Bronze.
Als Konstruktionsanweisung für eine Batterie könnte dies folgendermaßen gelesen werden. Man feßle Eisen und Kupfer durch die Kunst des Schmiedes, Asphalt ist brennbar und findet sich in der Nähe von Vulkanen, die dem Gott der Schmiede, Hephaistos geweiht sind. Das Eisen und das Kupfer sind in einem, durch Feuer hergestellten Tontopf gebracht, der die Form einer Gebärmutter hat. Der Kupferzylinder entspricht der Vagina und der Eisenstab dem Penis, der sexuellen Komponente des Mythos entsprechend. Zur Empfängnisverhütung wurde früher Zitronensaft oder Essig benutzt. Wird eine solche Lösung eingefüllt, ist die Batterie fertig. ... der männliche Same ist sauer, die Gebärmutter basisch, durch Vereinigung der Gegensätze entsteht neues Leben."

Aus Helmut Gebelein, Alchemie

Musiker mit Körperprothesen.......

Der Alchemist ist, wie der Künstler, der “entschiedene Träumer” und so fordert ein surrealistisches Flugblatt:
“ Ihr die Ihr Blei im Kopf habt, schmelzt es ein, um daraus surrealistisches Gold zu machen.”
Arturo Schwarz, Surrealismus, 1989, S 35...